In der Wettbewerbsrunde 2025 sicherten sich Benjamin Olschak gemeinsam mit den Freiwilligen Feuerwehren Drohndorf und Mehringen den ersten Preis beim BESTFORM AWARD – dem Kreativwettbewerb des Landes Sachsen-Anhalt. Mit ihrem nachrüstbaren Frontsprühbalken für Einsatzfahrzeuge überzeugten sie die Jury in der Kategorie PRODUCT. Wir haben mit dem Unternehmer aus Drohndorf im Salzlandkreis darüber gesprochen, wie aus einer spontanen Idee ein marktfähiges Produkt wurde, was der Wettbewerb bewirkt – und welche Pläne er für die Zukunft hat.
Lassen Sie uns zuerst kurz zurückblicken: Wie ist damals die Idee entstanden?
Benjamin Olschak: Ich saß vor einigen Jahren mit den Ortwehrleitern der Feuerwehren Drohndorf und Mehringen zusammen. Wir haben über dies und das gesprochen – auch über die Brände auf den Feldern. Irgendwann kam die Idee auf, dass die Feuerwehren mit einem Sprühbalken fahren könnten. Neuere Fahrzeuge haben zwar teilweise einen, der dient aber eher dem Eigenschutz und wird nicht zum Löschen eingesetzt. Ich habe mir das angehört und gedacht: Das ist doch kein Problem.
War es tatsächlich so einfach?
Nicht ganz. Die Idee war schnell da, aber wir hatten alle wenig Zeit. Deshalb musste sie erst einmal ruhen. Irgendwann habe ich sie wieder hervorgeholt und wollte einfach ausprobieren, ob wir das umsetzen können. Wir haben das Rad nicht neu erfunden, es gab schon zu DDR-Zeiten solche Anlagen für Fahrzeuge – allerdings in sehr vereinfachter Form. Wir wollten mehr. Wir haben viel gebaut, gerätselt und getestet. So entstanden die ersten Frontsprühbalken – und dafür, dass es die ersten Prototypen waren, haben sie schon ziemlich gut funktioniert.
Wann wurde Ihnen klar, dass daraus mehr werden könnte?
Als die ersten Feuerwehren den Sprühbalken eingesetzt haben. Außerdem haben wir auf Ebay gezeigt, was er kann. Dadurch kamen plötzlich Anfragen – auch ganz ungewöhnliche. Jemand wollte zum Beispiel ein Amphibienfahrzeug rundherum damit ausstatten. Nach dem Gewinn des BESTFORM AWARD hat das Ganze dann noch einmal deutlich an Fahrt aufgenommen. Wir haben viele Interviews gegeben, Filmteams waren hier und auch in den Zeitungen wurde berichtet. Wenn es nach mir ginge, würde ich gern noch mehr davon bauen.
Wie entsteht heute ein Frontsprühbalken?
Jeder Balken wird bei uns in Handarbeit gefertigt. Ich bekomme den Auftrag, fahre zum Kunden, schaue mir das Fahrzeug an, messe alles aus, zeichne, rechne und erstelle ein Angebot. Anschließend fertige ich den Sprühbalken und montiere ihn direkt am Fahrzeug. Jedes System ist dadurch auch eine individuelle Lösung.
Wie hat sich das Produkt seit dem Wettbewerb weiterentwickelt?
Wir haben den Frontsprühbalken kontinuierlich verbessert. Nach jeder Auslieferung fragen wir nach, wie sich das System im Einsatz bewährt hat. Daraus entstehen neue Ideen. Inzwischen gibt es zum Beispiel eine feste Verrohrung. Dadurch kann die Leitung dauerhaft unter dem Fahrzeug verlegt werden und ist sofort einsatzbereit. Auch bei den Düsen haben wir viel verändert – ihre Anordnung, die Abstände und die Neigungswinkel. Es gibt jetzt Düsen, die nach vorne sprühen und Brände bekämpfen, und andere, die direkt auf die Fahrbahn gerichtet sind. Das ist beispielsweise hilfreich bei der Beseitigung von Ölspuren. Das Wichtigste sind aber die Rückmeldungen der Feuerwehrleute. Ich sage jedem: Sagt mir ehrlich eure Meinung. Die arbeiten schließlich mit dem System, also muss es für sie funktionieren. Wir lernen aus der Praxis – und genau das macht das Produkt immer besser.
Welche Herausforderungen gibt es noch?
Die größte Herausforderung ist nach wie vor die Halterung. Ich schaue mir immer wieder unterschiedliche Feuerwehrfahrzeuge an. Eine universelle Lösung gibt es bislang noch nicht. Ich bleibe auf jeden Fall dran, aber ich habe nun einmal kein großes Team, das sich ausschließlich darum kümmern kann.
Was müsste passieren, damit Sie eine größere Stückzahl herstellen könnten?
Wir brauchen Partner, Investoren oder Unterstützer. Dann könnten wir die Entwicklung deutlich schneller vorantreiben. Ich könnte einen Mitarbeiter ausschließlich für die Produktion einsetzen und mehr Aufträge gleichzeitig bearbeiten. Ich freue mich über jede Anfrage – von Feuerwehren genauso wie von Herstellern. Gerade Unternehmen, die Einsatzfahrzeuge umrüsten, könnten interessante Partner für uns sein.
Sie bauen nicht nur Lösungen für Feuerwehren, sondern setzen auch kreative Projekte um. Woher kommt diese Leidenschaft?
Das mache ich einfach gern. Ich habe schon eine riesige Bank gebaut, die in einer Stadt aufgestellt wurde und begrünt werden sollte. Außerdem eine große Weltkugel für die Landesgartenschau 2024 in Bad Dürrenberg. Am Ende war sie komplett bewachsen und wirkte wie ein begehbarer grüner Globus. Aktuell fertige ich einen Hasselauer Stern mit acht Metern Durchmesser, der künftig auf Veranstaltungen ein Blickfang sein soll.
Wofür haben Sie das Preisgeld des BESTFORM AWARD eingesetzt?
Ein großer Teil geht an die neuen Fördervereine der Ortsfeuerwehren Drohndorf und Mehringen. Den anderen Teil investiere ich in neue Prototypen und die Weiterentwicklung des Frontsprühbalkens.
Wenn Sie einen Blick in die Zukunft werfen: Wie wäre die Idealvorstellung?
Ich bin derzeit Mieter an meinem Schlosserei-Standort. Mein Wunsch wäre eine eigene Halle. Schön wäre auch, wenn der Betrieb noch ein wenig wächst. Ganz gesund. Außerdem hoffe ich auf die zündende Idee für eine universelle Halterung. Dann hätten wir ein echtes Plug-and-Play-Produkt, das sich schnell und unkompliziert an unterschiedlichen Fahrzeugen montieren lässt. Und ich wünsche mir einen professionellen Internetauftritt, über den sich Kunden informieren und Anfragen direkt stellen können. Das wäre der nächste wichtige Schritt.